Vom Burgstall zur Burgruine

Texte und Bilder mit freundlicher Genehmigung:
Der Neue Tag, Redaktion Grenz Warte, Oberviechtach und Bernhard Klier
weitere Abbildungen zitiert aus www.burgenwelt.de, sowie Bernhard Klier

Berichte des Neuen Tag über die Ausgrabungen von
Bernhard Klier, Schmied des Spundloch Haufens und Harals Schaller.
Wildstein. (pt) Anfang und Ende der Burg Wildstein lagen bisher im Dunkeln. Ausgrabungen der zwei Hobbyarchäologen Bernhard Klier und Harald Schaller haben hier nun etwas Licht gebracht: "In der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts wurde die Burg belagert und in Brand gesetzt". Davon wird nach den bisherigen Funden in der Zerstörungsschicht ausgegangen. Der Beginn der Besiedlung wird ab dem 12./13. Jahrhundert angenommen. Ernst Thomann, Kreisheimatpfleger für Archäologie eröffnete den Informationsabend über die Ausgrabungen am Burgstall Wildstein im Gasthaus Meindl. "Dass sie stolz auf die Wildsteiner Vergangenheit sind, haben sie mit ihrer Anwesenheit bewiesen", freute sich Thomann über das überwältigende Interesse (rund 120 Personen). Er dankte Bernhard Klier (Wildstein) und Harald Schaller (Pfreimd), die als ehrenamtliche Mitarbeiter der Gesellschaft für Archäologie in Bayern seit Frühjahr 1998 am Burgstall Wildstein Ausgrabungen vornehmen. Zwischenbericht über Ausgrabungen Mit körperlicher Anstrengung haben sie in unzähligen Stunden interessante Entdeckungen zu Tage gebracht. Davor waren jedoch Verhandlungen mit der Gemeinde und dem Denkmalamt zu führen. Während Bernhard Klier als" Einheimischer" sozusagen die Schlüsselfigur für den Beginn der Grabungen darstellt, übernahm sein Arbeitskollege Harald Schaller (beide sind Feinblechner bei einem Leuchtreklamehersteller) den Zwischenbericht im Rahmen eines Diavortrages. Was dieser dann in eineinhalb Stunden vorbrachte, das war Geschichtsunterricht allerbester Qualität. Er führte die Anwesenden mit Begeisterung auf den Bürgstall Wildstein und ließ sie in die Welt des Mittelalters eintauchen. Burg in drei Felsen "reingehängt" "Was war wirklich los?" - Diese Frage faszinierte die beiden Hobbyarchäologen und nun auch die Anwesenden. Alte Skizzen und Karten brachten erste Erkenntnisse. Der Referent ging davon aus, dass die Burg in die drei Felsen "reingehängt" war. Auch die Verbindung der Dörfer


Bernhard Klier und Harald Schaller

Wildstein, Kühried und Wildeppenried (Pfarrstelle) wurde schon früh dokumentiert. Anhand von zahlreichen Dias zeichnete Schaller den Verlauf der Ausgrabungsarbeiten detailliert nach. "Eine Mittelaltergrabung bedeutet viele Steine und harte Arbeit", war ihm schon zu Beginn bewusst. Schließlich nahm Schaller schon von 1991 bis 1999 Ausgrabungen bei der Burg Warberg bei Neunburg vor. Wehrturm mit Schießscharten Doch zurück zum Wildstein. Vor dem Hauptfelsen, der ursprünglich bebaut war, legten die beiden Männer einen Turm aus Granulit (Bruchstein) mit einer Höhe von 3,40 Meter frei. Die Mauerstärke beträgt 1,60 Meter. Das lagenartige Mauerwerk sei typisch für das Spätmittelalter, meinte Schaller. Der Turm wird auf die zweite Hälfte des 14. bis erste Hälfte des 15. Jahrhunderts datiert und wurde direkt auf den Felsen gebaut. Es handelte sich dabei um einen reinen
Flankierungsturm (Wehrturm) ohne Wohnturm. Reste lassen auf eine Zwischendecke aus Rundholz schließen.Deutlich sind Schartlöcher und auch Rüstlöcher zu erkennen. Der verschüttete Turm wurde ausgegraben und von Bernhard Klier saniert. Die Grasdecke wurde belassen; sie soll das Mauerwerk schützen. Bei den Arbeiten wurde ein älteres Mauerwerk als die des Turm gefunden. "Die Baugeschichte von Wildstein isti so einfach! " machte Schaller deutlich. Nach der Winterpause wurde im Frühjahr mit neuem Schwung weitergegraben. Schaller zeigte eine Arbeitsskizze von den vier weiteren Schichten des Bodens. Bei Schicht eins handelt es sich um die normale Bodenbedeckung. Als Nächstes kommt die Versturzschicht mit granulierten Bruchsteinen,Erdreich, Dachziegeltrümmern und verstürztem Mauerwerk. Die Zerstörungsschicht (3) weist de, Brandspuren an den Steinen auf; Holzkolschlüsse, Glas von Burgfenstern und Teile aus der zweiten Hälfte des 15. Jahrhundert wurden hier gefunden. In die vierte Schicht wurde Lehm und Ton aus den anstehenden Felsen eingeschwemmt. Auch wurde hier Keramik aus dem frühen 15. Jahrhundert entdeckt.
Kurz notiert " Der Wildstein hält noch Überraschungen bereit"
Wildstein. (pt) Die erste, klar zuzuordnende Urkunde über die Burg Wildstein und deren Herrschaftsrechte stammt vom 28. 10.1355. Laut Emma Mages ("Historischer Atlas von Bayern") kann sich die frühere Erwähnung von Wildstein auch auf die gleichnamige Ortschaft bei Skalnä (Eger) beziehen. Die letzte Urkunde ist auf das Jahr 1583 datiert. In allen Urkunden ist jedoch nichts über das Aussehen der Burg erwähnt. Auch Anfang und Ende lagen bisher im Dunkeln. Aufgrund der Funde in der Zerstörungsschicht (unter anderem viele Armbrustbolzen) war der Referent überzeugt, dass die Burg in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts belagert und in Brand gesetzt wurde. Es kann also davon ausgegangen werden, dass die Burg nicht von den Hussiten niedergebrannt wurde. Harald Schaller schloss auch aus, dass die Schweden auf dem Wildstein gekämpft haben, nachdem diese Feuerwaffen verwendeten. Als eindeutigen Beweis, dass die Burg schon im 12./13. Jahrhundert besiedelt war, sah er Keramikfunde aus dieser Zeit an. Zwei Archäologinnen aus Bamberg haben diese These untermauert. Enge Zusammenarbeit besteht unter anderem mit dem Amt für Denkmalpflege und dem Büro für Burgenforschung. "Wir sind auf die Unterstützung der Gemeinde angewiesen" gab er zu bedenken. Diese sicherte ihm Bürgermeister Josef Klier dann auch spontan zu. Je nach Witterung sollen die Ausgrabungen im Mai wieder aufgenommen werden. "Der Wildstein hält noch einige Überraschungen bereit!" meinte Harald Schaller zum Abschluss seines hervorragenden Vortrages.
Zur Bildergalerie ->
zurück->