Vom Burgstall zur Burgruine

Texte und Bilder mit freundlicher Genehmigung:
Der Neue Tag, Redaktion Grenz Warte, Oberviechtach und Bernhard Klier

Berichte des Neuen Tag über die Ausgrabungen von Bert Klier, Schmied des Spundloch Haufens
Nummer 242, Freitag, 20. Oktober 2000
Burg erobert und gebrandschatzt
Verschiedene Funde auf Wildstein machen diese Vermutung wahrscheinlich Oberviechtach/Wildstein. (dga) Der Heimatkundliche Arbeitskreis Oberviechtach unternahm am vergangenen Sonntag einen Spaziergang zur "Burg Wildstein". Dort führen Bernhard Klier aus dem Ort Wildstein und Harald Schaller aus Pfreimd seit längerer Zeit Grabungen durch. Bernhard Klier berichtete in anschaulichen Worten über den momentanen Stand dieser Grabungen und die Erkenntnisse, die bis jetzt daraus gewonnen werden konnten. Diese Grabungen führen Klier und Schaller in ihrer Freizeit und auf eigene Kosten durch, das Amt für Denkmalpflege erteilt lediglich Auflagen und beobachtet. Für eine finanzielle Unterstützung sind die ohnehin wenigen zur Verfügung stehenden Mittel leider schon anderweitig vergeben. Eine Palette Spezial-Kalk gestiftet So wurde von den amtlichen Denkmalpflegern zum Beispiel verlangt, dass eine bestimmte Fläche im freigelegten Mauerwerk mit einem teuren Spezial-Kalk ("Trass-Kalk") verputzt wird. Wieder eine Ausgabe, die die beiden AmateurArchäologen aus eigener Tasche bezahlen mussten! Die Firma Porosit in Oberviechtach bekam Kenntnis von der Angelegenheit und stiftete eine Palette voll des benötigten Verputzes.

Ausgrabungen am Bergfried (Photo BK)
Und noch etwas wurde gespendet: die Firma Greiner, Lichtwerbung, spendete die große Informationstafel beim Beginn des Grabungsgeländes. Vermutlich kriegerisch untergegangen Ungefähr 520 Armbrustbolzen und fünf Pfeile, beides vermutlich aus dem 14. oder 15. Jahrhundert, haben Klier und Schaller in der Nähe der bis jetzt freigelegten Mauer gefunden. Bei ihren Grabungen stießen die beiden auch auf so genannte "Brandschichten". Diese entstehen, bleiben, Schutt und Erde darauf zu liegen kommen und sich damit dann Holzkohlereste bilden. Aus der Tatsache, dass bis jetzt auch keinerlei Keramik jüngeren Datums gefunden wurde, lässt sich relativ schlüssig nachweisen, dass die Burg Wildstein "kriegerisch untergegangen" ist, also erobert und dabei vermutlich gebrandschatzt wurde. Daraus ergibt sich auch, dass die Burg im 30jährigen Krieg sicherlich keine Rolle gespielt hat. Neben verschiedenen Fragmenten von Fensterglas, schwarzem Glas, das nicht verbrannt oder angesengt ist, sondern das sich mit der Zeit zersetzt hat - Archäologen sprechen hier vom "Glasfraß"-, Schindelnägeln, die zeigen, dass die Bedachung der vermuteten Wirtschafts- und ben mag, wurde auch ein so genannter "Schichtwasserbrunnen" freigelegt. Bei diesem Brunnen sammelt sich das Wasser aus den umliegenden Felsen und wird durch eine besonders errichtete "'Trockenmauer" noch gefiltert. Es ist beim Eintritt in den Brunnen dann wahrscheinlich bereits Trinkwasser gewesen. Ideale Studienobjekte Viele hundert kleine und kleinste Fundstücke harren noch der Auswertung, einer Auswertung, die nur durch meist recht teure Spezialisten durchgeführt werden kann. Diese Fundstücke, wie auch überhaupt das gesamte Grabungsgebiet, sind ein ideales Areal für Archäologie-Studenten, meint Bernhard Klier und fügt hinzu: "Für eine Magisterarbeit ist Material zur Auswertung genügend vorhanden." Bernhard Klier berichtete ausführlich über die Grabungen auf der Burg Wildstein und die daraus gewonnenen Erkenntnisse.

 


Heimatkundliche Arbeitskreis zeigte großes Interesse an den von Bernhard Klier und Harald Schaller ehrenamtlich durchgeführten Grabungen. Die Burg ist vermutlich erobert und dabei gebrandschatzt worden. Bilder:Gammel
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